Vom Originalbau zur Zukunftsbibliothek
Das Bauwerk der Schweizerischen Nationalbibliothek an der Hallwylstrasse 15 kann bald auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken.

1929

2034

Die Arbeiten am Originalbau beginnen

1929 begannen die Arbeiten für das heute noch bestehende Gebäude der Schweizerischen Nationalbibliothek an der Hallwylstrasse 15 im Berner Kirchfeldquartier.

Dem Baubeginn war im Sommer 1927 ein Architekturwettbewerb vorangegangen, aufgrund dessen die Architekten Alfred Oeschger, Emil Hostettler und Josef Kaufmann beauftragt worden waren, das Bauprojekt auszuarbeiten und auszuführen. Zuvor waren die Bestände der Nationalbibliothek bereits seit 1899 in Räumlichkeiten des Bundesarchivs fürs Publikum zugänglich gewesen, nachdem das Parlament 1895 den Auftrag wie folgt definiert hatte: Aufbau einer Helvetica-Sammlung ab der Gründung des Bundesstaates 1848.

Eröffnung des Neubaus

Die Schweizerische Nationalbibliothek konnte 1931 ihr eigenes Gebäude beziehen.

Zur Architektur des Neuen Bauens gab es von Zeitgenossinnen und Zeitgenossen auch kritische Rückmeldungen, wie der folgenden Textstelle aus der Broschüre zur Einweihung ebenfalls aus dem Jahr 1931 zu entnehmen ist: «Der Verzicht auf klassische oder sonst ornamentale Architekturformen wirkt noch immer auf jene Betrachter befremdlich, die sich nicht Rechenschaft geben, dass damit die Freiheit gewonnen wurde, das Gebäude nach der Seite seiner praktischen Nutzbarkeit um so besser durchzubilden.»

Im Neubau waren nebst der Nationalbibliothek im Ostflügel das Eidgenössische Amt für geistiges Eigentum untergebracht, im Westflügel das Eidgenössische Statistische Bureau, die Eidgenössische Getreideverwaltung und die Eidgenössische Inspektion für Forstwesen, Jagd und Fischerei.

Die Nationalbibliothek dient neu auch als Sitz des Bundesamtes für Kultur (BAK)

Der Einzug in die Nationalbibliothek kommt einer Aufwertung des Bundesamts gleich, welches 1975 als einfacher Verwaltungsdienst zur Koordination kultureller Aktivitäten geschaffen worden war.

Wie die Nationalbibliothek wird auch das BAK nach Abschluss der Gesamtsanierung wieder an die Hallwylstrasse 15 zurückkehren, voraussichtlich im Jahr 2034.

Erweiterung um das erste Tiefmagazin am Ostflügel

Um die Struktur des Ursprungsbaus zu erhalten, wurde 1997 ein erstes Archiv sieben Stockwerke tief fertiggestellt, um mehr Platz für Bücher und Dokumente zu schaffen.

1991 hatte das Bundesamt für Bauten und Logistik abzuklären begonnen, wie und wo eine Erneuerung und Erweiterung der Nationalbibliothek durchzuführen sei. Schliesslich hielt man trotz eingeschränkter Platz- und Gestaltungsmöglichkeiten am Standort im Kirchenfeldquartier fest. Den Projektauftrag erhielt die Architektengemeinschaft Andreas Furrer, Kurt Moritz Grossenreiter und Christoph Stuber. Im März 1994 begann man mit dem Aushub für ein Tiefmagazin am Ostflügel. Die Baugrube von 28 Metern war bis anhin die tiefste in der Stadt Bern. Als weiterer Teil des Masterplans von 1991 wurde zwischen 1999 und 2001 das Hauptgebäude renoviert.

Erweiterung um das zweite Tiefmagazin am Westflügel

Das Tiefmagazin West an der Bernastrasse umfasst vier unterirdische Stockwerke.

Zusammen mit dem Tiefmagazin Ost bot das Tiefmagazin West Platz für 140 Kilometer Regale, in denen eine wachsende Anzahl von Publikationen und Dokumenten untergebracht werden konnte. Mit der Einweihung des Tiefmagazins West am 20. August 2009 konnte der Masterplan von 1991 erfolgreich abgeschlossen werden.

Wahl des Siegerprojekts der Arbeitsgemeinschaft Christ & Gantenbein und Drees & Sommer

Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) initiierte auf der Grundlage eines neu entwickelten, flexiblen Nutzungskonzepts ein selektives Studienauftragsverfahren zur Gesamtsanierung der Nationalbibliothek.

Wettbewerbsaufgabe war es, aufzuzeigen, wie die Zukunftsvision innerhalb des denkmalgeschützten Bestands gestalterisch sensibel umgesetzt und dabei die Gesamtnutzfläche vergrössert werden kann. Der Verträglichkeit der neuen räumlichen Lösungen mit der historischen Substanz, der statischen Ertüchtigung sowie einer besseren Zugänglichkeit und innenräumlichen Aufenthaltsqualität der Bibliothek kamen dabei hohe Bedeutung zu. Als «Forum» soll sie künftig eine für die breite Bevölkerung offene, vielfältig nutzbare Begegnungsstätte mit «Raum für Forschung, Austausch, Inspiration, Innovation und unerwartete Erlebnisse» sein.

Aus den eingegangenen 32 Bewerbungen konnten sich in einer ersten Verfahrensstufe sechs Generalplanerteams qualifizieren. In der zweiten Stufe kürte die Jury einstimmig Christ & Gantenbein mit Drees & Sommer Schweiz zum Gewinner und empfiehlt diese Einreichung für die Weiterbearbeitung.

September: Baueingabe

Das Bundesamt für Bauten und Logistik reicht als Bauherrschaft das ordentliche Baugesuch beim Bauinspektorat der Stadt Bern ein.

November: Umzug der Schweizerischen Nationalbibliothek ins «Titanic»-Gebäude

Mit Ausnahme der Bestände im Tiefmagazin zügelt die Schweizerische Nationalbibliothek im November 2026 an die Monbijoustrasse 72-74.

Die Nutzung sämtlicher Dienstleistungen der Schweizerischen Nationalbibliothek wie auch deren physische Bestände bleibt auch am provisorischen Standort gewährleistet. Mit der Nationalbibliothek zügelt auch das Bundesamt für Kultur ins sogenannte «Titanic»-Gebäude.

Baustart für Sanierung und Erweiterung an der Hallwylstrasse

Die rund siebenjährige Bauzeit soll im Jahr 2027 beginnen.

Auf dieser Webseite wird die Öffentlichkeit über den Baufortschritt unterrichtet.

100-jähriges Jubiläum der Schweizerischen Nationalbibliothek

Im Jahr 2031 wird das denkmalgeschützte Gebäude an der Hallwylstrasse 15 100 Jahre alt werden, mitten in seiner Gesamtsanierung.

Das Planungsteam trägt dem historischen Erbe aus der Architekturepoche des Neuen Bauens Rechnung. Es sucht nicht den Kontrast zwischen Altem und Neuem, sondern will das Vorhandene weiterbauen.

Geplante Inbetriebnahme der sanierten und erweiterten Nationalbibliothek

Nach Abschluss der Bauarbeiten kehren die Nationalbibliothek und das Bundesamt für Kultur an die Hallwylstrasse 15 zurück.

Im Einklang mit der Gesamtsanierung erfährt die Nationalbibliothek eine Transformation hin zum zeitgemässen Kultur- und Wissensort, der in seinem öffentlichen Charakter gestärkt und ausgebaut werden soll.