Vom Originalbau zur Zukunftsbibliothek
Das Bauwerk der Schweizerischen Nationalbibliothek an der Hallwylstrasse 15 kann bald auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken.
Die Arbeiten am Originalbau beginnen
Dem Baubeginn war im Sommer 1927 ein Architekturwettbewerb vorangegangen, aufgrund dessen die Architekten Alfred Oeschger, Emil Hostettler und Josef Kaufmann beauftragt worden waren, das Bauprojekt auszuarbeiten und auszuführen. Zuvor waren die Bestände der Nationalbibliothek bereits seit 1899 in Räumlichkeiten des Bundesarchivs fürs Publikum zugänglich gewesen, nachdem das Parlament 1895 den Auftrag wie folgt definiert hatte: Aufbau einer Helvetica-Sammlung ab der Gründung des Bundesstaates 1848.
Eröffnung des Neubaus
Zur Architektur des Neuen Bauens gab es von Zeitgenossinnen und Zeitgenossen auch kritische Rückmeldungen, wie der folgenden Textstelle aus der Broschüre zur Einweihung ebenfalls aus dem Jahr 1931 zu entnehmen ist: «Der Verzicht auf klassische oder sonst ornamentale Architekturformen wirkt noch immer auf jene Betrachter befremdlich, die sich nicht Rechenschaft geben, dass damit die Freiheit gewonnen wurde, das Gebäude nach der Seite seiner praktischen Nutzbarkeit um so besser durchzubilden.»
Im Neubau waren nebst der Nationalbibliothek im Ostflügel das Eidgenössische Amt für geistiges Eigentum untergebracht, im Westflügel das Eidgenössische Statistische Bureau, die Eidgenössische Getreideverwaltung und die Eidgenössische Inspektion für Forstwesen, Jagd und Fischerei.
Die Nationalbibliothek dient neu auch als Sitz des Bundesamtes für Kultur (BAK)
Wie die Nationalbibliothek wird auch das BAK nach Abschluss der Gesamtsanierung wieder an die Hallwylstrasse 15 zurückkehren, voraussichtlich im Jahr 2034.
Erweiterung um das erste Tiefmagazin am Ostflügel
1991 hatte das Bundesamt für Bauten und Logistik abzuklären begonnen, wie und wo eine Erneuerung und Erweiterung der Nationalbibliothek durchzuführen sei. Schliesslich hielt man trotz eingeschränkter Platz- und Gestaltungsmöglichkeiten am Standort im Kirchenfeldquartier fest. Den Projektauftrag erhielt die Architektengemeinschaft Andreas Furrer, Kurt Moritz Grossenreiter und Christoph Stuber. Im März 1994 begann man mit dem Aushub für ein Tiefmagazin am Ostflügel. Die Baugrube von 28 Metern war bis anhin die tiefste in der Stadt Bern. Als weiterer Teil des Masterplans von 1991 wurde zwischen 1999 und 2001 das Hauptgebäude renoviert.
Erweiterung um das zweite Tiefmagazin am Westflügel
Zusammen mit dem Tiefmagazin Ost bot das Tiefmagazin West Platz für 140 Kilometer Regale, in denen eine wachsende Anzahl von Publikationen und Dokumenten untergebracht werden konnte. Mit der Einweihung des Tiefmagazins West am 20. August 2009 konnte der Masterplan von 1991 erfolgreich abgeschlossen werden.
Wahl des Siegerprojekts der Arbeitsgemeinschaft Christ & Gantenbein und Drees & Sommer
Wettbewerbsaufgabe war es, aufzuzeigen, wie die Zukunftsvision innerhalb des denkmalgeschützten Bestands gestalterisch sensibel umgesetzt und dabei die Gesamtnutzfläche vergrössert werden kann. Der Verträglichkeit der neuen räumlichen Lösungen mit der historischen Substanz, der statischen Ertüchtigung sowie einer besseren Zugänglichkeit und innenräumlichen Aufenthaltsqualität der Bibliothek kamen dabei hohe Bedeutung zu. Als «Forum» soll sie künftig eine für die breite Bevölkerung offene, vielfältig nutzbare Begegnungsstätte mit «Raum für Forschung, Austausch, Inspiration, Innovation und unerwartete Erlebnisse» sein.
Aus den eingegangenen 32 Bewerbungen konnten sich in einer ersten Verfahrensstufe sechs Generalplanerteams qualifizieren. In der zweiten Stufe kürte die Jury einstimmig Christ & Gantenbein mit Drees & Sommer Schweiz zum Gewinner und empfiehlt diese Einreichung für die Weiterbearbeitung.
September: Baueingabe
November: Umzug der Schweizerischen Nationalbibliothek ins «Titanic»-Gebäude
Die Nutzung sämtlicher Dienstleistungen der Schweizerischen Nationalbibliothek wie auch deren physische Bestände bleibt auch am provisorischen Standort gewährleistet. Mit der Nationalbibliothek zügelt auch das Bundesamt für Kultur ins sogenannte «Titanic»-Gebäude.
Baustart für Sanierung und Erweiterung an der Hallwylstrasse
Auf dieser Webseite wird die Öffentlichkeit über den Baufortschritt unterrichtet.
100-jähriges Jubiläum der Schweizerischen Nationalbibliothek
Das Planungsteam trägt dem historischen Erbe aus der Architekturepoche des Neuen Bauens Rechnung. Es sucht nicht den Kontrast zwischen Altem und Neuem, sondern will das Vorhandene weiterbauen.
Geplante Inbetriebnahme der sanierten und erweiterten Nationalbibliothek
Im Einklang mit der Gesamtsanierung erfährt die Nationalbibliothek eine Transformation hin zum zeitgemässen Kultur- und Wissensort, der in seinem öffentlichen Charakter gestärkt und ausgebaut werden soll.