Architektonisches Erbe sichern – Zukunftsbibliothek bauen
Die Sanierung und Erweiterung der Schweizerischen Nationalbibliothek bewahrt deren architektonischen Qualitäten, entwickelt die Bausubstanz sorgfältig weiter und stellt den öffentlichen Charakter in den Vordergrund.

Die Sanierung und Erweiterung der Schweizerischen Nationalbibliothek verbinden den maximalen Erhalt der denkmalgeschützten Bausubstanz mit einer zeitgemässen, flexiblen Nutzung für künftige Generationen.

Das Bauprojekt ist zwingend nötig, um das Tragwerk zu ertüchtigen und die Erdbebensicherheit zu gewährleisten.

Sanierung

Das bestehende Gebäude mit Eingangstrakt, Mitteltrakt, Flügelbauten, Verbindungsbauten und dem markanten Bücherturm wird vollständig instandgesetzt. Die Gebäudestruktur wird statisch und erdbebentechnisch ertüchtigt, die Haustechnik erneuert und die klimatischen Bedingungen insbesondere für empfindliche Kulturgüter verbessert.
 Die ursprüngliche Raumlogik mit klar gegliederten Lese- und Bürobereichen wird dort, wo sinnvoll, wieder gestärkt, ohne den heutigen betrieblichen Anforderungen zu widersprechen. Ausserdem werden attraktive Räume für öffentlichen Veranstaltungen geschaffen.

Im Erdgeschoss wird die Zukunftsvision einer Bibliothek mit grosser Ausstrahlung in die Öffentlichkeit umgesetzt. Hier wird das dokumentarische Kulturerbe der Schweiz im Austausch mit verschiedenen Partnerinnen und Partner vermittelt – vor Ort, interaktiv und niederschwellig.

Westlich vom Foyer wird der alte Lesesaal neu zu einer Forumsfläche, um die Bestände der Schweizerischen Nationalbibliothek und thematische Schwerpunkte in Zukunft attraktiv präsentieren zu können.

Östlich ans Foyer schliesst ein Multifunktionsraum an, dessen Grösse sich mit einem Trennwandsystem anpassen lässt und der Platz für Veranstaltungen für bis zu 250 Personen bietet.

An den Multifunktionsraum schliesst wiederum das Bistro an. Dieses wird gegenüber seiner heutigen Form erweitert und mit einladenden Begegnungszonen ergänzt, sowohl im überhohen Bereich des Mitteltrakts als auch im Aussenraum, zur Helvetiastrasse hin.

Diese öffentlichen Räume bilden ein Forum, das Herzstück der Schweizerischen Nationalbibliothek.

Der Hauptzugang an der Hallwylstrasse wird durch zwei neue, symmetrische Rampen betont und hindernisfrei gestaltet. Zusätzliche Zugänge über den Hof zur Helvetiastrasse machen das Gebäude von mehreren Seiten begehbar und binden insbesondere das Bistro und den Multifunktionsraum stärker ins Museumsquartier ein.

Der Bücherturm verbindet klassische Bibliotheksfunktionen mit neuen Arbeits- und Aufenthaltsformen. Neu konzipierte zweigeschossige Lesesäle und Arbeitsbereiche werden von Zonen der ursprünglichen niedrigeren Raumstruktur flankiert, sodass bei hoher Aufenthaltsqualität originale Raumqualitäten weiterhin erlebbar bleiben.

In der Ebene 2 des Bücherturms sind Information, Ausleihe sowie Lese- und Arbeitsplätze angesiedelt, mit einem 24/7‑Zugang für einen definierten Kreis von Nutzenden.

In der Ebene 4 des Bücherturms können Bestände des Schweizerischen Literaturarchivs und der Graphischen Sammlung auf Anmeldung vor Ort konsultiert werden.

Die Büro- und Administrationsräume der Schweizerischen Nationalbibliothek und des Bundesamts für Kultur werden in den Obergeschossen des Eingangstrakts und der Flügel- und Verbindungsbauten erdbebensicher gemacht, ohne die denkmalgeschützte Struktur zu beeinträchtigen.

Die Haustechnik der bestehenden Tiefmagazine wird instand gesetzt.

Das Projekt bewegt sich im Spannungsfeld zwischen den Anforderungen der Denkmalpflege und den Möglichkeiten der Modernisierung.

  • Die historische Bausubstanz und die architektonische Gestalt von 1931 werden so weit wie möglich erhalten und weiterentwickelt oder in ihren Ursprungszustand zurückgeführt.
  • Viele originale Oberflächen, Materialien und Bauteile wie beispielsweise Parkettböden und Türen werden sorgfältig restauriert und wiederverwendet; wo neue Elemente nötig sind, orientieren sie sich formal und farblich am Originalbau.
  • Das Tragwerk wird statisch ertüchtigt und somit die Erdbeben- und Nutzungssicherheit für die nächsten Jahrzehnte gewährleistet.
  • Für eine bessere Energieeffizienz werden die Dächer energetisch saniert, im Bücherturm ebenso die Fenster und die Fassaden.

Erweiterung

Erweiterung

Südlich des Hauptgebäudes entsteht ein unterirdischer Neubau, der über Lichthöfe mit dem Bestand verbunden ist. Hier werden Ateliers, Werkstätten und technische Infrastrukturen untergebracht – die zentralen Arbeitsräume, in denen Dokumente restauriert, konserviert und für die Nutzung aufbereitet werden.

Weil der Erweiterungsbau ausschliesslich unterirdisch erfolgt, bleibt das charakteristische Erscheinungsbild des Ensembles und seiner Aussenräume gewahrt.

Standort

Von der Hallwylstrasse an die Monbijoustrasse und zurück

Die Schweizerische Nationalbibliothek liegt an der Hallwylstrasse 15 im Berner Kirchenfeldquartier, rund 15 Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt, nahe der Altstadt, und ist mit Tram und Bus bestens erschlossen.

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Die Schweizerische Nationalbibliothek befindet sich im Museumsquartier Bern, einem Kultur- und Bildungscluster mit elf institutionellen Partnern. Durch die bessere Ausbildung der Eingänge, die Belebung der Aussenräume und die Öffnung zum Quartier trägt die Gesamtsanierung der Schweizerischen Nationalbibliothek dazu bei, ein zusammenhängendes Kultur- und Wissensareal mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen.

Vor Baubeginn ziehen die Schweizerische Nationalbibliothek und das Bundesamt für Kultur etappenweise ab August bis Ende November 2026 an die Monbijoustrasse 72 bis 74, in ein bestehendes Verwaltungsgebäude, welches im Volksmund aufgrund seiner äusseren Form «Titanic» genannt wird.

Auch dieser provisorische Standort an der Monbijoustrasse ist vom Hauptbahnhof aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln in wenigen Minuten erreichbar. Nach Ende der Bauzeit, voraussichtlich im Jahr 2034, wird der Betrieb der Nationalbibliothek wieder an die Hallwylstrasse 15 gezügelt, ebenso die Arbeitsplätze der Nationalbibliothek und des Bundesamts für Kultur. Während des Umbaus bleiben die Tiefmagazine an der Hallwylstrasse 15 in Betrieb.

Nachhaltigkeit

Der ganzheitliche Ansatz

Die Sanierung und Erweiterung der Schweizerischen Nationalbibliothek verbinden höchste Ansprüche an Denkmalpflege mit einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie.

Ziel ist ein zukunftsfähiges Gebäude, das Ressourcen schont, Nutzenden Wohlbefinden bietet und wirtschaftlich über Jahrzehnte tragfähig bleibt. Dabei wird eine Wechselwirkung angestrebt zwischen gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und ökologischer Nachhaltigkeit.

Das Bauprojekt erhält die denkmalgeschützte Bausubstanz und entwickelt sie weiter. Es stärkt den Öffentlichkeitsbezug der Bibliothek und fördert soziale Integration und Inklusion durch einladende Räume, die Begegnung und Austausch für alle Alters- und Bildungsgruppen ermöglichen. Der hindernisfreie Zugang macht die Bibliothek niederschwellig nutzbar.

Intelligente Gebäudemanagementsysteme optimieren den Energieverbrauch und reduzieren die Betriebskosten.

Die Planung der Sanierung und Erweiterung der Schweizerischen Nationalbibliothek orientiert sich an den Standards des Nachhaltigen Bauens Schweiz (SNBS) und der Charta Kreislauforientiertes Bauens.

Projektbeteiligte

Bauherrschaft

Bundesamt für Bauten und Logistik BBL

 

Nutzende

Schweizerische Nationalbibliothek NB

Bundesamt für Kultur BAK

 

Generalplanung

Arbeitsgemeinschaft ARGE NB
Christ & Gantenbein und Drees & Sommer Schweiz

Architektur
Christ & Gantenbein, Basel

Baumanagement und Nachhaltigkeit
Drees & Sommer Schweiz AG, Zürich

Fachplanung

Bauingenieur
Conzett Bronzini Partner AG, Chur

HLKK-Planung
Eicher + Pauli AG, Bern

Sanitärplanung
Probst + Wieland AG

Elektro und GA-Planung
IBG Engineering Partner AG, St. Gallen

Landschaftsarchitekt
Vogt Landschaftsarchitekten AG, Zürich

Bauphysik
BAKUS Bauphysik & Akustik AG, Basel

Brandschutzplanung
Aegerter & Bosshardt AG, Basel

Türplanung und Sicherheitsplanung
e-tool AG, Münsingen

Lichtplaner
Mati Lichtgestaltung, Adliswil

Gastroplaner
Axet gmbh, Embrach

Werkleitungsplanung
Hartenbach + Wenger AG, Bern

Audio/Video-Planung
Conceptions AG, Rotkreuz

Fassadenplanung
baukulturgut Technology GmbH, DE-Rotweil

Verkehrsplanung
Rapp AG, Münchenstein

Geologe/Baugrunduntersuchung Spez.
Geotest AG, Zollikofen

Szenografieplanung
Gasser, Derungs Innenarchitekturen GmbH, Zürich

 

Unternehmen

Die ausführenden Unternehmen müssen grösstenteils noch beschaffen werden.